Lautsprecher Standboxen KEF
- 08 Mar 2026
- Акустические системы, динамики, усилители...
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Perfekte Kurve
Ein Lautsprecher, der nicht mehr Box genannt werden kann. Die KEF Blade besteht fast nur noch aus Punktschallquelle und gebogener Schallwand. Sie sieht aus wie eine abstrakte Skulptur, ist aber das Ergebnis schörkelloser Ingenieurskunst. Die ultimative Vereinigung von Form und Funktion.
Grundsätzlich überlegene Konstruktionsprinzipien gibt es eigentlich nicht-auch beim Lautsprecherbau führen viele Wege zur Erfüllung. Doch die Punktschallquelle ist ein Ansatz, den viele Entwickler zu Recht verfolgen, verheißt sie doch homogenste Abstrahlung und natürlichste Abbildung. Einige HiFiisten erliegen da der Verlockung einer radikalen Lösung: Breitbänder! Damit sind die Probleme der Punktschallquelle tatsächlich gelöst - aber viele andere geschaffen. Ich muss gestehen, mit dieser Gattung High-End-Boxen mit am wenigsten zurechtzukommen. Vielleicht gerade weil man ihr Potenzial in Form einer oft holografisch genauen Abbildung und verblüffend realistischen Bühne erahnt, stört man sich an tonalen Schwächen, fehlender Transparenz oder suboptimalem Bass umso mehr.

Schwarz und weiß - die Farben der Blade. Beide Varianten sind nur in Hochglanzlack erhältlich
Mit 2-Wege-Boxen ist das Problem lösbar. Koaxial heißt das Prinzip, oder, um die Brücke zu KEF zu schlagen: UmQ. Der Hochtöner nimmt in der Mitte des Tiefmitteltöners Platz, und die Vorteile des Breitbänders sind mit jenen der 2-Wege-Box vereint... theoretisch, denn in der Praxis bleiben Nachteile aus beiden Welten erhalten.
Nun gibt es einige Hersteller, die an der Perfektionierung des Koaxialprinzips arbeiten, und die Erfolge sind mittlerweile erstaunlich. Ausgerechnet KEF, einer der Koax-Pioniere, blieb bei seinen Spitzenmodellen erstaunlich inkonsequent: Noch vor zehn Jahren brachte man mit der Reference 207 einen 5-Wege- Speaker auf den Markt, der nicht nur mit zusätzlichen Bässen, sondern auch mit Grundtöner und Superhochtöner das Punktschallprinzip konterkarierte.
Doch im Jahr 2009 wagte man sich an die Perfektionierung des eigenen Prinzips heran, in Form einer Studie, die gar nicht für den Markt gedacht war. „Zu teuer", beantwortete ein führender KEF-Vertre- ter meine Frage, warum man die Blade zunächst nicht bauen wollte. Ihr Herzstück war ein kleiner koaxialer Mittelhochtöner auf einer komplett verrundeten, organischen Schallwand, die die Abstrahlung stetig hält, aber keinerlei Kantenreflexionen erlaubt. Das war eigentlich keine Box mehr, sondern bloß noch eine organisch gebogene Schallwand. Der nur fünf Zoll kleine Mitteltöner aus einer Lithium- Magnesium-Aluminium-Legierung erfüllt hier eine Doppelfunktion: Er erzeugt mit seiner großen Schwingspule und der ringförmigen, sternförmig versteiften Membran alle Schwingungen im wichtigen Stimm- und Formantbereich, nämlich von 350 bis 3000 Hz. Zum anderen dient er dem Hochtöner als verlängerte Schallführung und passt damit die Abstrahlwinkel der Treiber untereinander sanft und ohne abrupte Übergänge an. Die Kalotte, ein Einzoll-System mit Alu- Membran, arbeitet in einer speziellen, kronenförmigen Behausung, von KEF Tangerine Waveguide genannt. Der sorgt dafür, dass sich die Schallanteile von Mittel- und Hochtöner nicht gegenseitig negativ beeinflussen, verhindert aber auch Resonanzen und stehende Wellen innerhalb des Hochton-Konstrukts, die frühen Koax-Generationen einen eher schlechten Ruf bescherten. Die Schwierigkeit für das Konzept Blade lag im Bass begründet: Einen großen Tieftöner hinter den Mittelhochtontreiber zu platzieren, hätte wegen des benötigten Volumens zu einer abenteuerlichen Konstruktion geführt, die zudem sehr breit ausgefallen wäre. Das wäre wiederum dem erklärten KEF-Ziel zuwidergelaufen, die Schallwand für den Mittelhochtöner möglichst schmal zu bauen und Kantenreflexionen keine Angriffsfläche zu bieten.

Komplex: Ein inneres Gerüst und Verbindungsstangen halten das Gehäuse bombenfest. Der UniQ arbeitet auf eine geschlossene Kammer
Die Lösung des Problems: die virtuelle Punktschallquelle. Das bedeutet nichts anderes, als vier identische Basstreiber rund um den Koax anzuordnen, so dass sich alle vom Hörer wahrgenommenen akustischen Zentren auf einer Achse befinden. So weit, so schwierig - denn auch diese Anordnung will in eine möglichst breite Schallwand verbaut werden. Damit das Gehäuse selbst schmal bleiben kann, kamen die KEF-Ingenieure auf die geniale Idee, die Schallwand komplett rund zu gestalten und um Front und Seitenteile herum zu biegen, womit der ganze Lautsprecher fast nur noch aus der Schallwand besteht und die Tieftöner auf der Seite Platz nehmen können. In diesem frühen Stadium der Entwicklung wurden die Designer bereits mit einbezogen; sie gaben dem Konstrukt auch zugunsten der Steifigkeit dte geschwungene Form einer Klinge.

Der Tangerine Waveguide verhindert Hochton- Interferenzen. Zusammen mit der Konusform bildet er die perfekte Schallführung. Die Membran ist mit Kerbungen versteift
Voilä: Das Gehäuse schmal, die Membranfläche mit einem Quartett an Basstreibern ausreichend groß - und der Projektname Blade war geboren. Doch die Form bedingte neue Chassis-typen. Der Tieftöner sollte dem Ideal einer Flachmembran ohne schallbrechende Kanten angenähert werden. Heraus kam ein Achtzoller mit Metallmembran, dessen extrem große Schwingspule und doppelte Zentrierung ein Taumeln effektiv unterdrücken. Damit seine sehr starken Hübe nicht das ganze Blade-Gehäuse in Schwingung versetzen, wurde je eine Pärchen der Tieftöner Rückenan Rücken miteinanderverbunden, wodurch sich die Bewegungsimpulse der Körbe fast vollständig aufheben und das Gehäuse selbst unter schwerster Bassarbeit vollkommen resonanzfrei bleibt. Durch das Vierer-Array konnte auch die Trennfrequenz zum Koax mit 350 Hz eher hoch gewählt werden, und eine relativ flache Filterung von nur 6 dB pro Oktave im Übergangsbereich wurde möglich.

Der flache Tieftöner gewinnt dank sehr großer Schwingspule und doppelter Zentrierung die benötigte Stabilität, ohne zu taumeln
Bevor die Blade einen ersten Ton spielen durfte, verblüffte vom Hörplatz aus zunächst ihre Formgebung: Ihre Front ist so sanft verrundet und so schmal, dass die Box optisch scheinbar zu verschwinden scheint. Man sieht nur eine schmale Zeile mit einem kleinen Chassis - und erwartet eine dementsprechend schlanke Vorstellung. Der erste Bassdrum-Schlag von Jeff Becks „Hip-Notica" holt dann auch den hartgesottensten Tester aus dem unverdienten Tagtraum: ein Zack, kein Wumm. Dieser Lautsprecher mobilisiert Luftmassen wie aus dem Nichts. Doch kein weicher, unverbindlicher Bass baut sich im Hörraum auf, sondern ein knackig geformter, ansatzlos auf den Punkt spielender Rhythmus mit schwärzester Tiefe. Dazu ein wundervoll transparenter, unauffällig präziser Mittelund Hochton, der Details völlig selbstverständlich serviert.
Das rief nach einem Griff zu Klassik mit Spaßfaktor: Berlioz' „Symphonie Fantastique" in der quirlig-dynamischen Aufnahme von Nezet-Seguin. Die Blade servierte das Orchester auffallend seidig und feinst gestaffelt mit transparenter Atmosphäre, sie blendete den Hörraum akustisch weitgehend aus. Zwischen den Boxen baute sich ein unglaublich realistischer Konzertsaal auf, der allerdings weder in der Tiefe noch zu den Seiten des Hörers übertrieben gezeichnet worden war. Die ersten drei Sätze lang eine perfekt ausgewogene Vorstellung, seidig transpartent ohne geheuchelte Effekte. Dynamik- und Bass-Junkies würden die Blade zu diesem Zeitpunkt wohl als zu nüchtern-sachlich betrachten.
Doch wenn es in der Musik zur Sache geht, kann auch die Blade aufdrehen: Im 4. Satz folgte sForzato auf Bass-Schlag, und immer wieder erstaunte mich, wie viel Kraft und Schnelligkeit die Blade mobilisieren kann, ohne mein Gehör zu ermüden. Das verlockte, auch mal ältere Aufnahmen zu hören: Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond" klang ansatzlos trocken, die originale Studioatmosphäre schien sich vor mir aufzubauen: jeder Gitarrenton dort, wo er hingehört, jeder Drumschlag präzise, doch nie übertrieben. Es war, als säße ich selbst als Tonmeister in der Regie, mittendrin bei der Aufnahme dieser legendären Scheibe. Dasselbe noch zwei Dekaden zuvor: Miles Davis' „Someday My Prince Will Come" mit knorriger Rhythmus-Sektion und zuweilen harschen Trompeteneinsätzen habe ich noch nie so harmonisch-transparent, gleichwohl mit Schmackes gehört. Ein Lautsprecher, der süchtig macht, gerade weil er so unaufgeregt spielt.
Der Verlauf zeigt sich perfekt neutral mit kräftigem Bass. Beeindruckend das stetige Verhalten abseits der Achse, ohne einen Anflug von Interferenzen oder Welligkeit. Für die Boxengröße ebenso überraschend der bis 23 Hz tief reichende Bass. Die Tweeter-Resonanz liegt unhörbar jenseits von 45 kHz.
Im Bass und Grundton liefert die Blade hohe Reserven und zeigt erst bei 107 Dezibel leichte Kompres- sions- und Klirrtendenzen. Im Mittelton ist der Klirr leicht erhöht, steigt aber nicht sprunghaft mit dem Pegel. Das bremst allerhöchste Pegel etwas, spielt aber in der Hörpraxis keine Rolle.
AUDIOphile Empfehlung
Spielt in fast allen Räumen und schon ohne besondere Sorgfalt bei der Aufstellung superb. Ein relativ stabiler Verstärker sollte aber vorhanden sein.
Autor: Malte Ruhnke






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