Tube amplifier - let's listen
- 09 Mar 2026
- Акустические системы, динамики, усилители...
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Hören mit Röhren
Kopfhören ist die ursprünglichste Form des audiophilen Genusses. Doch Purismus ist steigerbar: mit einem übertragerlosen Trioden-Amp. Die Geschichte einer bezahlbaren Traumkombi.
Ein seltsamer Pawlow-Effekt beherrscht uns. Sobald das Wort „Kopfhörer" fällt, denken wir, es ginge um einen mehr oder minder faulen Kompromiss. Also um den armen Familienvater, der des Abends seine Lieblingsmusik hören möchte, aber von der Rücksicht auf seine Verwandten unter den Kopfhörer gedrängt wird. Und überhaupt: Große Musik gehört an große Lautsprecher, in große Räume. Das ist Unfug und Klischee zugleich.
„Kopfhören" ist die höchste Form der Konzentration. Näher kann man der Musik nicht kommen. Ein bereits intimer Moment, der vor allem das fordert, was in großer Menge zwischen den Kopfhörermembranen sein sollte - Geist. Setzen wir also den gegenteiligen Pawlow-Effekt in die Welt: Kopfhörer sind die schlaueren Menschen, die eigentlichen Analytiker in der Welt des Audiophilen.
Doch zu oft fehlt das Handwerkszeug. Es gibt deutlich mehr Hersteller von sehr guten Lautsprechern, von filigranen Endstufen. Es fehlen vor allem die wirklich guten Kopfhörerverstärker. Zehn Finger reichen aus, um sie abzuzählen. In einem weiteren, sentimentalen Pawlow-Effekt taucht jetzt der „Orpheus" auf. Ein legendärer Kopfhörer-Verstärker, den sich Sennheiser vor 20 (gefühlt: 75) Jahren als Nonplusultra mit einem entsprechenden Elektrostatenhörer für die Firmenhistorie gönnte. Es soll ihn gegeben haben. Nur wenige haben ihn gesehen, noch weniger Menschen ihn gehört. Einer, der ganz nah dabei war, einer, der sogar die Entwicklung des Orpheus vorangetrieben hat, heißt Dr. Burkhardt Schwäbe und kann nicht von dieser Leidenschaft lassen. Jetzt hat er einen neuen Kopfhörer-Verstärker vorgestellt, der vor allem eines sein soll: erschwinglich.
Vorne symmetrisch: zwei gleichberechtigte Ausgänge. Hinten asymmetrisch: Cinch-Eingänge. Zeitgleich legt Eternal Arts auch eine „Profi"-Variante auf - dann mit XLR-Inputs
2000 Euro möchte Schwäbe für seinen Basic line haben. Das ist noch immer viel Geld, aber relativ wenig gegen den Aufwand, den Schwäbe mit seiner Firma Eternal Arts bei anderen Röhrenamps betreibt. Der aktuelle Katalog listet in der Rubrik drei Modelle auf. Das Mutterschiff heißt KHV - „KopfHörerVerstärker" eben. Schwäbe geht mit Worten offenbar genauso effektiv um wie mit Schaltungen.
Der KHV bekommt dieser Tage zwei Geschwister - einen „Profi" mit XLR- Zugängen für die Tontechniker und eben den Basic line für die Heimanwender.
Der große KHV liegt bei 2990 Euro. Schwäbe verzichtete auf das rund gebogene Gehäuse und den aus dem Vollen gefrästen Drehknauf. So kommt man, den XLR-Anschluss hinzu addiert, beim Profi an - und bei 2700 Euro. Der Basic musste die beiden Stabilisator-Röhren auf der Platine lassen, passive Elemente übernehmen den Job. Der restliche Parcours bleibt. Darunter ein Trafo von Transtec, den Eternal Arts auf Maß fertigen lässt - vergossen, mit Schutzwicklung zwischen primären und sekundären Wicklungspaketen. Als weitere Mitspieler gruppiert Schwäbe ein Alps-Poti und vergoldete Neutrik-Cinch-Buchsen hinzu.
Vor allem hat Dr. Schwäbe einen Privatschatz angehäuft. Über 10000 Röhren liegen in seinem Hort. Das ist doppelt clever: Der Konkurrenz im Markt wird damit Rohware entzogen, und wer in diesem Fundus schwimmt, findet leichter die perfekten gematchten Paare. Im Basic wie in den Schwestermodellen kommen hochselektierte Trioden-Pentoden zum Einsatz, Verbundröhren mit dem Kürzel PCL86, in schönster Symmetrie.
Die Schaltung folgt den Prinzipien von Julius Futterman: ein bereits verstorbener, genialischer Einzelgänger und Autodidakt, der der Überlieferung nach auf dem Küchentisch einer Zweizimmerwohnung in der Bronx legendäre Endstufen geschaffen hat - nach dem OTL-Prinzip. „Output TransformerLess" sagt alles: Der Ausgangsübertrager wird abgeschafft, eine Komplementär-Schaltung zwischen den Röhren springt ein - der Gewinn liegt vor allem im Tempo und der wegfallenden Begrenzung. Ungeahnte 375000 Hertz gibt Schwäbe als höchste abbildbare Frequenz an. Vermutlich kommt hier der Name seiner Company her: Eternal Arts - Kunst bis zur Unendlichkeit.
Und wieder zurück? In irdischen Gefilden hat Schwäbe sich sehr gut verwurzelt. Sennheiser übernimmt die Kopfhörer- Amps in den eigenen Vertrieb. Gemeinsam propagiert und entwickelte man eine ideale Kombination mit dem Hörer-Topmodell HD 800. Wobei die Frage erlaubt sein muss: Handelt es sich um Trittbrett- fahrererei oder um einen seltenen Fall von audiophiler Symbiose aus Klein und Groß? Darf sich Eternal Arts freuen, einem so mächtigen Sparringspartner zuliefern zu dürfen? Oder müsste sich nicht umgekehrt Sennheiser freuen, Produkte anbieten zu können, für die im heute auf Kopfhörer und Mikrofone spezialisierten Unternehmen schlicht die Fertigungsmöglichkeiten fehlen?
Feinkost - fast in Originalgröße: Die Hauptklangarbeit liegt bei zwei Trioden-Pentoden gleich hinter Front und Alps-Poti. In der Mitte, sehr klein: zwei (rote) Microschalter, über die auf Wunsch auch niederohmige Kopfhörer bespielt werden können.
Wir wollen die Frage nicht zuspitzen, sondern schlicht froh sein, dass es die Kopfhörerverstärker von Dr. Schwabe gibt. Was zeichnet den Basic line aus? Wir erwarteten in unserem Test typischen Röhrenklang und wurden damit reichlich umgarnt. Das harmonische Moment war stark, dominant, kombiniert mit erstaunlichem Druck. Musik, die man meint, in jeder Facette zu kennen, verwandelte sich am Basic. Um die Bild-Sprache zu bemühen: Das war nicht mehr das Ölbild an der Wand, auch nicht das Relief, sondern die echte dreidimensionale Skulptur. Die Gefahr des „Bigger than live" kam auf. Doch nach einer Stunde des Hörens sehnte man sich genau danach. Wenn Glenn Gould beispielsweise in seiner späten Einspielung der Goldberg-Variationen mitsummt, mitstöhnt, dann war das eben kein skurriles Nebengeräusch wie bei der Wiedergabe über Lautsprecher. Sondern ein authentisches, lebendiges Moment der Aufnahme-das Intime eben. Selten haben wir dieses Dreieck zwischen Künstler, Technik und Hörer so intensiv, so reduziert, so direkt erlebt. In der empfohlenen Kette mit dem HD 800 von Sennheiser wurde es geradezu beängstigend präsent. Die frisch gemasterten Beatles-Bänder der EMI - das haben Millionen Menschen milliardenfach gehört. Hier stieg jedoch selbst ein scheinbar eindimensionaler Sonnenschein-Hit wie McCartneys „Penny Lane" zur hochkomplexen Psychoballade auf - die Nebenstimmen, kleine Rauminformationen fluteten vom Hintergrund ms Bewusstsein. Hier liegt die Zuspitzung des Sets HD 800 plus Basic line: Es gibt keinen Hintergrund.
Wir schwenkten zum Vergleich auf den T1 von Beyerdynamic um. Das Plastische nahm sich leicht zurück, die Analyse verlagerte sich: Ein großes Orchester verfügte über eine andere räumliche Geschlossenheit, der Mischklang gerade bei einem spätromantischen Bruckner wirkte logischer. Im Fazit aber: eine Geschmacksfrage. (Halbironisch: Vielleicht hat der Basic deshalb zwei Kopfhörerausgänge - damit man unter den besten Hörern angenehm schnell wechseln kann.) Vor allem ist es ein Ritterschlag für den Basic line, der eben diesen Reichtum an Informationen anbieten kann.
Viele Produkte aus dem Arbeitsumfeld einer Testredaktion mag man. Wenige hebt man, noch wenigere möchte man besitzen. Der Basic ist in diesem Sinne ein echter Haben-Wollen-Kandidat. Ein neuer Pawlow-Effekt beherrscht uns.
Hörtest-CD
Bach: Goldberg- Variationen
Glenn Goulds zweite Aufnahme der Goldberg-Variationen ist übervoll an Informationen, inklusive Summen und Stöhnen des Pianisten - was an schlechten Ketten irritiert, an guten eine mythische Einheit bildet.
Eternal Arts
Basic line
Listenpreis: 2000 Euro
Garantiezeit: 3 Jahre
Gewicht: 3,7 kg
Maße (HBT): 17 x 13,5 x 31,5 cm
Dynamischer Klirr
K2 bei größeren Spannungen etwas zurückhaltender, ansonsten perfekt verlaufende und perfekt abgestufte Verzerrungskomponenten. Frequenzgang (o. Abb.) am 600-Ohm- Hörer perfekt linear von 10-50000 Hz, bei niederohmigen Hörern (32 Ohm) minimale Pegeldämpfung im Tiefbass (2 dB bei 50 Hz).
AUDIOphile Empfehlung
HD 800 und Basic passen ideal zusammen - was den Basic nicht taub für andere Hersteller macht. Diese betonten vor allem die harmonischen Röhren-Vorzüge.
Der Autor Andreas Günther - hört magnetostatische Boxen, von Jugend an aber auch begeistert Kopfhörer. Als Ausleger hängen an seinem Regal die wichtigsten Hörer der letzten 20 Jahre. Was ihn beeindruckt: der Siegeszug der dynamischen Wandler im Verhältnis zu den Elektrostaten. Die aktuelle Generation ist die beste ever.
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