Crazy about music
- 08 Mar 2026
- Акустические системы, динамики, усилители...
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Verrückt nach Musik
Das Konzept des Devialet ist ultramodern, seine Mission konservativ: jede kleinste Schwingung in der Musik zu bewahren. Eine High-End- Komponente wie aus dem Märchen. Doch der D-Premier ist Wirklichkeit.
Bescheidenheit sieht anders aus: Während sich HiFi-Wettbewerber jahrzehntelang aus Gewerbeparks und Garagen hocharbeiten müssen, residieren die Franzosen von Devialet vorneweg in einer zweistöckigen Pracht-Zentrale in bester Pariser Geschäftslage. Dabei ist ihr Portfolio überschaubar: Sie präsentieren nur ein einziges Produkt: den D- Premierfür 12000 Euro. Ein Vollverstärker? Oder eine HiFi-Komponente der Zukunft, für die eine Gattungsbezeichnung noch erfunden werden muss?
Beim Anblick des Geräts sind erfahrene HiFi-Menschen erst hin-, dann aber auch hin und hergerissen: So viel Schönheit, so viel Eleganz - wenn da mal kein Haken dran ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass herkömmliche Technik in extrem schicker Verpackung daherkommt, eine große Welle der Aufmerksamkeit erzeugt, um dann über kurz oder lang wieder in der Versenkung zu verschwinden. Devialet, so viel wird nach wenigen Minuten der Beschäftigung mit dem D- Premier klar, gehört nicht dazu: Nichts, wirklich gar nichts an diesem Vollverstärker ist konventionell. Es wirkt, als hätten sich seine Entwickler gezwungen, zunächst alles zu vergessen, was sie über Verstärkerbau wissen - um dann eine Musikmaschine zu bauen, die zwei sehr französische Eigenschaften verkörpert: hemmungslose Technikbegeisterung und die Fähigkeit, exaltierten Luxus mit selbstverständlicher Eleganz zu kombinieren. Der D-Premier steht mit 40 x 40 Zentimetern exakt auf dem Grundriss einer Norm-Gehwegplatte, ist aber nur drei Zentimeter hoch - wenig Platz, den seine Entwickler mit der höchsten Hightech-Dichte gefüllt haben, die in einem HiFi-Gerät denkbar ist. Die Schaltung versucht, das linearste, verzerrungsärmste Schaltungsprinzip (und erwiesenermaßen eines der musikfreundlichsten) mit der effizientesten Amp-Bauart zu kreuzen und von beiden nur die Vorteile zu behalten: Class-A trifft Class-D, und der Nachkomme ist komplett verzerrungsfrei, bärenstark, lastunempfindlich und energieeffizient.
Hohe Packungsdichte: Mittig, mit den goldfarbenen Leiterbahnen, sitzt der Class-D-Amp. Links oben das schwarz gekapselte Netzteil, darunter, direkt an den Ausgangsklemmen, der feine Class-A-Amp. Die DSP-Technik verbirgt sich im Erdgeschoss der Platine
Was klingt wie ein Märchen, ist im D-Premier Wirklichkeit. Die Franzosen lassen in dem aus einem Alublock gefrästen Gehäuse einen kleinen Class-A- Amp arbeiten, der zu 100 Prozent auf Sauberkeit und feinste Detailwiedergabe gezüchtet ist, dafür aber nur geringe Leistung abgeben kann. An Hörnern oder Kopfhörern könnte man ihn theoretisch auch solo verwenden, für reale Lautsprecher fordert er jedoch Unterstützung an: von einem huckepack auf der Hauptplatine sitzenden, hochpotenten Schaltverstärker-Board, das die Spannungsvorgaben des A-Feingeists mit üppigem, bei Bedarf auch ultraschnellem Stromfluss untermauert. Der A-Verstärker ist dabei stets der Chef, dem der D-Kollege gehorchen muss. Der Analog-Amp bezieht seine Signale aus einem Pärchen höchstwertiger D/A-Wandler (Burr-Brown PCM 1792), die ihn direkt über ihren differentiellen Stromausgang füttern. Die sonst übliche Strom-Spannungswandlerstufe entfällt dank einer raffinierten Schaltungsvariante ersatzlos, was Klirr wie Rauschen reduziert und den Signalweg weiter abkürzt: Zwischen den DACs und den Lautsprecherklemmen liegen gerade mal fünf Zentimeter.
Hochkant: Den flachen D-Premier kann man auch an die Wand hängen wie ein Bild. Das runde TFT-Display passt seine Ausrichtung dabei automatisch an
Einen analogen Weg zur Endstufe gibt es nicht. Analoge Eingänge werden zunächst digitalisiert und landen dann wie die digitalen Inputs in einem extrem leistungsfähigen DSP, dessen Aufgaben mannigfaltig sind: Mit 32 BitWortbreite und 192 Kilohertz Samplingrate kümmert er sich um eine präzise, garantiert störungsfreie Lautstärkeregelung in 0,5-dB- Schritten, er überwacht die Signalform und den Betriebsstatus der Endstufen, um im Fall drohender Überlasten schon im Vorfeld mäßigend einzugreifen, und errechnet einen einstellbaren Bassfilter für den Fall, dass der Devialet-Nutzer ein Sub-Sat-System betreiben will. Dasalles reizt den DSP freilich nicht ansatzweise aus, und so programmiert das Team - das sich übrigens vorgenommen hat, alle verkauften Amps dauerhaft und kostenlos um immer neue Funktionen zu erweitern - längst an viel komplexeren Nutzungsmöglichkeiten. Denkbar sind etwa eine frei anpassbare Frequenzweiche, dank der sich mehrere Devialets zu einem Aktivsystem zusammenrotten können, sowie eine Raumkorrektur-Funktion, die natürlich nicht den Raum selbst korrigiert, sondern dessen akustisches Eigenleben mit einer Reihe präzise einmessbarer Filter kompensiert.
Was jetzt schon geht - für sich genommen eine kleine Sensation -, ist die digitale RIAA-Entzerrung des Phono- eingangs für bis zu zwei Plattenspieler. Der DSP bildet hier die sonst analog realisierten Entzerrungskurven auf digitaler Ebene nach. Programmierbar sind neben zwei verschiedenen Kennlinien (RIAA und eine weitere für historische Platten) der Verstärkungsfaktor, die kapazitive und induktive Last, ob es sich um ein Mono- oder Stereosystem handelt und ob die Digitalisierung mit 48, 96 oder 192 Kilohertz Samplingrate erfolgen soll. Letztere Option wirkt auch auf die analogen Line-Eingänge. Statt sie stur auf Maximum zu setzen, sollte man ruhig verschiedene Werte gehörmäßig ausprobieren - denn kein A/D- Wandler klingt mit allen Samplingraten gleich, auch die vornehmen Chips im D-Premier nicht.
Praktischer Nebeneffekt der flexiblen Phonostufe: Man kann sie über den Digitalausgang prima als A/D-Wandler zur höchstwertigen Digitalisierung seiner Vinylschätze nehmen. Für alle digitalen Medien ist der Königsweg in den D-Premier natürlich der digitale über die optischen, koaxialen und AES/ EBU-Inputs - es wäre unsinnig, eine CD erst aufwändig ins Analoge zu wandeln, um sie dann wieder zu digitalisieren.
Genau betrachtet gibt es nichts, was man am Devialet nicht irgendwie konfigurieren könnte. Einschaltlautstärke, Eingangspegel, das Verhalten des bezaubernd scharfen, aber vom Designer nur sehr zurückhaltend genutzten kleinen Farbdisplays, Grenzfrequenz und Flankensteilheit des Hochpassfilters bei Subwooferbetrieb, Leistungslimit der Endstufen (50 bis 240 W), Balance, Phase, Subsonic - statt den Verstärker mit Knöpfen und Menüs zu Überfrachten, haben die Entwickler einen neuen Weg gefunden, das komplette Amp-Management auszulagern. Auf der Webseite des Herstellers findet sich ein Konfigurator, der sämtliche WunscIvSettings - und bei Bedarf auch Firmware-Updates oder neue Funktionen - auf eine SD-Karte schreibt. Diese steckt man dann einfach wieder an ihren Platz im Heck des Verstärkers, und schon verhalten sich D-Premier und Fernbedienung genau wie gewünscht.
Apropos: Der kleine Steuerpult ist kein schick verkleideter Allerwelts-Infrarot- Drücker, sondern ein eigens für den D-Premier entwickelter, wie der Verstärker perfekt verarbeiteter Funk-Controller, den man lässig irgendwo in Griffweite abstellen kann - Zielen ist nicht nötig. Sein geschmeidig gleitender Lautstärkeknopf reagiert auf zarteste Berührung, der Amp folgt ebenso verzögerungsfrei wie präzise, und der Besitzer staunt, wie analog sich eine hundertprozentig digitale Regelung anfühlen kann.
Normalerweise diskret abgedeckt: Devialet-Heck mit SD-Slot (ganz links) und programmierbaren Ein/Ausgängen
Web-Konfigurator: Um den Devialet zu individualisieren, geht man kurz ins Internet. Im Phono-Menu (unten links) sind genaueste Anpassungen an den Tonabnehmer möglich
Im AUDIOphile-Hörraum können die Tester hemmungslos aufdrehen, was der Autor dann auch tat - mit Händels „ Acis and Galatea" in der neuen Linn-Aufnah- me mit dem Dunedin Consort (88.2/24- FLAC, Linn Records Download). Die Barock-Oper ist zwar keine wirkliche Lauthör-Musik, aber der Devialet klang so transparent und angenehm, dass man sich anfangs zwingen musste, nicht zu laut zu hören. Er erwies sich auch in späteren Vergleichen - etwa mit einer noch etwas teureren Röhren-Vor/Endstufen-Kombials dezenter, feinfühliger Verstärker, der bei ausgepegeltem Hören subjektiv eher leiser wirkte. Dabei erschienen Stimmen und Instrumente tonal zwar etwas schlanker als über die Röhre, gerade in Chor- und lauten Solopassagen blieben sie über den Devialet aber wunderbar weich und zugleich individuell ortbar. Der Raumeindruck war phänomenal: Hatte man vor dem Umstöpseln am Player die Pausentaste gedrückt und löste diese nun, spannte sich schon in den ersten Sekundenbruchteilen ein völlig glaubwürdiges, in Breite und Tiefe perfekt ausgewogenes Abbild des Aufnahmeraums zwischen den Lautsprechern. Das geht unabhängig vom Preis kaum besser.
Eine ideale Box zu empfehlen, macht wegen der Universalität des D-Premier keinen Sinn. Fabelhaft passten die Neutralität und Kontrolle des Franzosen zur KEF Blade (Test in diesem AUDIOphile), die auch preislich und optisch sehr gut harmoniert.
Als Quelle sollte man in erster Linie einen überragenden Digitalplayer einsetzen - der ist aber besser nicht zu teuer, weil sich mit dem Streaming-Update des Devialet das Thema Quelle möglicherweise erledigt. Getestet haben wir mit dem Linn Sneaky und einem Mac- book Pro, dessen USB-Ausgang mit einem Musical Fidelity V-Link auf Koax konvertiert wurde. Am Phonoeingang lief ein Transrotor Rondino mit Merlo Reference, der ebenfalls fantastisch lebendig und klar klang. Gegenüber den besten externen Phono-Preamps fiel mit leisen MCs lediglich ein minimal höheres Rauschen auf.
Das unglaublichste Erlebnis war allerdings der Bass. King Creosote und Jon Hopkins öffneten ihre wunderschöne „Diamond Mine" (FLAC-Download von dominorecordco.com): ein satt, seidig und unheimlich facettenreich klingendes Album mit gar nicht so viel Bass, aber ein paar Gänsehaut-Schlüsselstellen. Etwa die Toms, die nach ein, zwei Minuten auf „Bats In The Attic" auftauchen. Wer die Platte kennt, wird sich vielleicht fragen, was an diesen Toms so besonders ist. Er hat sie noch nicht mit dem Devialet gehört, der auch und gerade aus dem Unscheinbaren ein Erlebnis macht. Differenziert, ultratief und -präzise, selbst an kritischen Boxen dynamisch unbegrenzt - der Devialet zeigt tatsächlich das untere Ende der Aufnahmen, weil er selbst kein Limit hat. Man kann gewissermaßen nicht nur das Fundament hören, sondern sogar die Stille darunter.
Hörtest-CD
King Creosote / Jon Hopkins
„Diamond Mine“ ist eine Sammlung von Kompositionen des schottischen Folkmusikers Creosote, die unter Aufsicht des Elektronik/Ambient-Spezia- listen Hopkins zu einem zauberhaften Konzeptalbum verschmelzen.
Devialet D-Premier
Maße (B x H x T): 40 x 4,5 x 40 cm Gehäuseausführungen: Aluminium hochglanz verspiegelt, Hochglanz weiß, andere auf Anfrage Eingänge: 1 x AES/EBU, 2 x Toslink, alternativ 2 x Phono, 2 x Cinch Analog, 4 x SP/DIF Ausgänge: Lautsprecherklemmen (Stereo / gebrückt Mono), Cinch Analog, SP/DIF
Dynamischer (Nicht-) Klirr
Der D-Premier stellt messtechnisch den saubersten Verstärker dar, den der Autor je getestet hat. Der Frequenzgang ist bis 90 kHz perfekt linear und völlig lastunabhängig, der dynamische Klirrverlauf (oben) erinnert eher an einen Preamp als an ein Gerät mit 240 Watt Leistung. Auch der Rauschabstand (109 dB) ist erstklassig.
AUDIOphile Empfehlung
Ein Multitalent fürs Leben und alle Lebenslagen. Harmoniert mit allen Boxen außer schlankaggressiven Modellen. Ob LP, CD oder andere Digitalquellen - er beherrscht's in Perfektion.
Der Autor - Bernhard Rietschel
hat vor 15 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht und trotz gelegentlich absurder Arbeitszeiten und -Stundenzahlen den Spaß daran immer noch nicht verloren. Vinyl- und Netzwerkhörer ohne eigenen CD-Player, bevorzugt er zu Hause klassisches, britisches HiFi inklusive Streaming-Client.
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